Der Revolver Nagant Modell 1895

Russischer Dienstrevolver von der Zarenzeit bis zum II. Weltkrieg

Foto: ©Wiki Commons/Atirador

von Friedhelm Weitz

 

Geschichte

Ende des 19. Jahrhunderts waren im zaristischen Russland, wie auch in vielen anderen Ländern zur damaligen Zeit, Überlegungen zur Modernisierung der Waffen der Armee im Gange.

Entscheidende Überlegungen zur neuen Bewaffnung der Armee wurden in der kurzen Regierungszeit von Zar Alexander III. von 1881 – 1884 festgelegt. Nachdem sich der Zar zunächst mit der Frage der Blankwaffen und dem neuen Infanteriegewehr Modell 1891 beschäftigt hat, sollte anschließend die Frage eines neuen Dienstrevolvers geklärt werden. Wie bereits beim Infanteriegewehr, sollte nun auch der Dienstrevolver von Smith & Wesson „Russian“ im Kaliber .44 Russian durch eine Waffe in einem kleineren und leistungsstärkeren Kaliber ersetzt werden.

Mangels landeseigener Entwicklungen wurden Revolver aus moderner Auslandsproduktion in Augenschein genommen. Favorit unter den damals modernen Armeerevolvern war der französische Revolver Modell 1892 im Kaliber 8 mm Lebel. Ein Jahr nach dem Tode von Zar Alexander III. wurde das Auswahlverfahren für den neuen Revolver unter seinem Nachfolger, Zar Nikolaus II., im Jahre 1895 abgeschlossen. Die Lütticher Firma Nagant erhielt den Zuschlag und den Vertrag für den russischen Armeerevolver Nagant Mod.1895.

Das Lütticher Unternehmen der Gebrüder Nagant erhielt den Auftrag nicht wegen der Besonderheit des gasdichten Revolvers oder anderer Leistungskriterien, vielmehr waren es wie so häufig die Beziehungen der Gebrüder Nagant zu Russland, dem Zarenhaus, dem Artillerieausschuss und die Tatsache am Hofe wohl eingeführt zu sein. Hinzu kamen auch die positiven Erfahrungen, die Russland bereits mit den Galand–Revolver gemacht hatte und letztendlich die Tatsache, dass Emile Nagant in Zusammenarbeit mit S. Mossin das neue Infanteriegewehr 1891 entwickelt hatte. Schließlich konnten die Gebrüder Nagant auf dem Gebiet der Revolverentwicklung auch entsprechende Erfolge nachweisen. Belgien hatte gerade den Revolver Mod. 1893 der Gebr. Nagant eingeführt. Das vorgelegte Konzept eines technisch ausgereiften Revolvers mit der sehr modernen Besonderheit der Gasdichtigkeit überzeugte und führte zur Einführung der Waffe unter der Bezeichnung „3-Linien-Revolver Modell 1895“, der aber nie anders als „Nagant“ genannt werden sollte. 3 Linien entsprechen einem alten russischen Maßsystem identisch mit 0,3 Zoll. Wenn vom 3–Linien–Revolver oder vom 3-Linien–Gewehr gesprochen wird, spricht man über Waffen im Kaliber 7,62 mm.

Nagant 1895 in der Preisliste einer russischen Handelsgesellschaft, 1911–1912 © Wiki Commons

Illustration aus dem Brockhaus and Efron Encyclopedic Lexikon (1890—1907) © Wiki Commons

Technik

Das Konzept der Gebrüder Nagant mit dem gasdichten Revolver stellte keine Neuerfindung dar. Mit dem Problem des Energieverlustes aus dem Trommelspalt und der entweichenden Gasse zwischen Trommel und Lauf hatte sich sehr ausführlich der Belgier Henri Pieper beschäftigt. Er hatte nach mehreren Versuchen bereits die Lösung mit einer sich nach vorne bewegenden Trommel, einem sich rückwärts verschiebenden Laufes mit einer gasdicht schließenden Patronenhülse gefunden. System Pieper 1886. Die Brüder Nagant griffen die Ideen ihres Landsmannes auf, verbesserten den Mechanismus zur Serienproduktion und ließen sich den Revolver mit Dichtungsmechanismus patentieren.

Der Armeerevolver Nagant Modell 1895 besteht aus einer geschlossenen Rahmenkonstruktion mit gasdichtem Übergang zum Lauf durch eine axial verschiebbare Trommel. Beim Spannen des Hahns wird die Trommel gedreht und anschließend verriegelt. Durch Eingreifen des oberen Endes der Ladepforte in eine der Verriegelungsnuten am Trommelkreis wird ein Zurückdrehen der Trommel verhindert. Gleichzeitig gleitet die Trommel nach vorne, spannt die Feder in der Trommelachse, so dass sich die konische vordere Trommelbohrung über den gleichfalls konisch gearbeiteten Laufs schiebt. Die speziell für diesen Revolver entwickelte Patrone ragt mit ihrem eingezogenen Hülsenmund aus der Trommelbohrung und wird bei der Vorwärtsbewegung der Trommel in das Ende des Laufes gedrückt. Wird nun der Abzug betätigt, verhindert eine Stossplatte, die durch einen Schieber angehoben wird, dass Zurückweichen von Trommel oder Patrone bei der Schussabgabe. Der überlange Schlagdorn des Hahn schlägt durch eine Bohrung der Stossplatte auf den Zünder der Patrone in der vorgeschobenen Trommel des Revolvers. Nachdem der Abzug losgelassen wird, senkt sich der Schieber wieder ab und zieht die Stossplatte ein. Durch einen Rückspringmechanismus der Trommel wird der Hahn nach der Zündung vom Hülsenboden weggedrückt. Der notwendige überlange Schlagdorn wird im Hahn beweglich gelagert und kann bei Bedarf ohne Montage des Hahns ersetzt werden.

Wie bereits erwähnt, musste für die Gasdichtigkeit des Revolvers eine spezielle Patrone entwickelt werden. Die Hülse der Patrone musste an der Mündung so beschaffen sein, dass der Hülsenmund in das Laufende passt. Bei der Schussabgabe drückt das Geschoss die Hülsenwand auf einer Länge von ca. 1,5 mm an die Laufwand und dichtet so den bei Revolvern sonst übliche Spalt zwischen Trommel und Lauf vollständig ab. In keine andere Waffe passt diese Patrone. Die Patrone hat eine Länge von 38,35 – 38,75 mm, das Geschossgewicht liegt zwischen 6,20 – 7,15 g, je nach Fertigung, die Ladung bestand aus ca. 0,27 g rauchlosem Pulver und erreicht eine Vo von 290m/sec.

 

Herstellung und Varianten

Zur Zeit der Einführung des Revolvers waren die russischen Fabriken mit der Produktion der neuen Infanteriegewehre

Modell 1891 ausgelastet. Da die Neubewaffnung ebenfalls zügig von statten gehen sollte, wurden die ersten Revolver in Lüttich gefertigt. Von 1895 – 1898 wurden 20000 Waffen aus belgischer Fertigung an die russische Armee geliefert. Gegen Ende 1898 lief dann die Eigenproduktion in Tula an. Von 1900 – 1901 wurde eine Jahresleistung von 60.000 Stück produziert. Bis Ende 1902 betrug die Gesamtproduktion bereits 180.000 Stück. Die Produktionszahlen wurden in den nachfolgenden Jahren, je nach Bedarf besonders in den Kriegsjahren, noch erheblich gesteigert. Zwischen 1898 – 1910 wurden 381330 Offiziersrevolver und 52000 Mannschaftsrevolver produziert. Am 20. Juli 1914 befanden sich insgesamt 424.434 Revolver im Dienst. Der Stückpreis betrug ca. 27 Rubel. Aufgrund erheblicher Verluste in der russischen Armee, erging am 18. September 1914 die Anweisung zur Produktion von 25.000 Revolvern im Monat.

Anders als bei der Produktion des Gewehres 1891 gab es bei der Produktion der Revolver keine Engpässe während der Kriegsjahre. Aufgrund eines Dekrets des Zaren, war es den Offizieren gestattet neben dem Dienstrevolver-Nagant auch automatische Pistolen als persönlicher Besitz zu benutzen. Danach waren für den offiziellen Dienst als Pistolen genehmigt: 1.) Browning-Pistole , 2. Modell, Kaliber 9 mm, 2.) Borchart-Luger, Modell 1904, Kaliber 9 mm Parabellum.

Außer Dienst waren auch die Browning-Pistole auch im Kaliber 7,65 mm und 6,35 mm gestattet. Zum offiziellen Übungsschießen wurde nur die Patrone 7,62 Nagant zur Verfügung gestellt.

 

Bekannt ist der Revolver Nagant 1895 heute bei jedem Waffeninteressierten. Als gasdichter Revolver, der in sehr großen Stückzahlen gebaut wurde, wurde diese Waffe über die Grenzen Russlands bekannt. Noch heute sind Sammlerwaffen aus der Zeit des II. WK in arsenalgepflegten oder neuwertigem Zustand für einen erschwinglichen Preis erhältlich. Hierbei handelt es sich ausschließlich um DA-Revolver, die auch als Offiziersmodell bezeichnet wurden.

Das es auch hauptsächlich vor dem II. WK weitere Varianten gab, ist heute nicht mehr so bekannt, da gute Exponate aus Lütticher Fertigung, aus der Fertigung in Tula zur Zeit des Zaren oder gar seltene Sondermodelle rar werden und entsprechende Preise hierfür zu zahlen sind.

Zur Einführung des Revolvers waren eine Offiziersausführung und ein Mannschaftsmodell vorgesehen. Die beiden Modelle unterscheiden sich in Revolver mit Hahnspannsystem (Single Action) für den Mannschaftsgrad und Revolver mit Hahn- und Abzugsspannung (Double Action) für die Offiziere. Dieser Unterschied wurde durch 2 geringfügige Teile im Schloss bewirkt, die leicht auszutauschen waren und so aus dem Single Action – Revolver einen Double Action – Revolver machten. Dieser Unterschied erscheint aus heutiger Sicht unsinnig. Als Grund für die unterschiedliche Ausstattung gibt es mehrere Theorien, von denen keine richtig überzeugt. Die einfachste lautet: es musste ein Unterschied zwischen Mannschaftsgrad und Offizieren gemacht werden. Eine weitere Theorie besagt: Da der einfache Soldat besser an den Umgang mit dem Gewehr als mit dem Revolver gewohnt war, wurde ihm bei Benutzung der Abzugsspannung keine präzise Schussabgabe zugetraut. Eine dritte Theorie besagt: der Munitionsverbrauch sollte bei den Mannschaften eingeschränkt werden. Fest steht heute, dass die Hauptwaffe des Soldaten, das Gewehr sein sollte. Der Verfasser konnte zahlreiche Nagant 1895 in Augenschein nehmen und hat kein Mannschaftsmodell mehr aus der Fertigung nach der Zarenzeit gesehen. Möglicherweise wurde der Unterschied im Sowjetstaat als überflüssig angesehen und bestehende Waffen in der Waffenkammer umgerüstet sowie neue Revolver als Double Action – Revolver produziert. Der Aufwand war sehr gering und der finanzielle Unterschied kaum nennenswert.

Gemessen an der enormen Verbreitung der Waffe, sind die Ausführungsvarianten gering. So gab es Unterschiede in den Formen des Kornes, zum einem bei frühen Modellen in Form einer abgeschnittenen Ellipse, die bei Modellen aus russischer Fertigung durch eine einfache Ellipse ersetzt wurden. Erste Waffen aus der sowjetischen Produktion besaßen wieder die 1. Form des Kornes. Im Jahre 1914 wurden einige Waffen für die Verwendung von Anschlagschäften ausgerüstet. In bekannter Weise lies sich der Anschlagschaft in einer Nut im Kolbenrücken befestigen. Ein Anschlagschaft für den Revolver konnte bis heute noch nicht als Beleg gefunden werden, wohl aber Revolver aus diesem Zeitraum mit der Nut im Kolbenrücken. Weiter soll eine geringe Anzahl von Waffen mit auf 84 mm gekürzten Lauf anstatt die üblichen 114 mm Länge unter sowjetischer Produktion für Sicherheitsdienste hergestellt worden sein. Für Trainingszwecke gab es Waffen im Kaliber .22.

Außerhalb Russlands wurde der Revolver Nagant in Polen als Modell Radom – Nagant Revolver Modell 1930 eingeführt und produziert. Die polnische Fertigung entspricht abgesehen von der Beschriftung dem russischen Vorbild.

Weitere Nagant – Revolver wurden in Schweden, Norwegen, Griechenland, Belgien und Luxemburg eingesetzt. Die Revolver sehen dem russischen Modell teilweise nicht nur sehr ähnlich, die Basiskonstruktion ist bei den meistens Nagant – Revolver gleich. Nur das russische und polnische Modell waren als gasdichte Revolver gebaut worden.

 

Leistungsvorzüge des Revolvers und Systemnachteile

Der neu eingeführte Revolver war in seiner Art als Patent mit größtmöglichem Gasverlust im Ordonanzbereich der damaligen Zeit einzigartig. Er ist es auch bis heute geblieben. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an die Leistungsfähigkeit dieser Waffe.

Bei den Testserien wurden je nach Verwendung unterschiedliche Ergebnisse erreicht. Mit der russischen Armeemunition wurden Anfangsgeschwindigkeiten des Geschosses von 275m/s bis 285m/s und eine Mündungsenergie von 262 Joule gemessen. Versuche mit anderer Munition eines französischen Hauptmanns Leleu ergaben Mündungsgeschwindigkeiten von 300m/s mit der gleichen Waffe.

Die Ergebnisse waren gegenüber dem Smith & Wesson - Revolver mit einer Anfangsgeschwindigkeit von 229m/s deutlich besser. Weiter sind aus den russischen Versuchen nachfolgende Durchschlagsleistungen festgehalten worden: Auf eine Entfernung von 35 Schritte durchschlagen alle Kugeln 3 Bretter mit einer Gesamtstärke von 76,2 mm. Auf die gleiche Entfernung durchschlagen 68% der Geschosse 4 Bretter mit einer Gesamtstärke von 91,6 mm, und 25% der Geschosse durchschlagen noch 5 Bretter mit einer Holzdicke von 127 mm. Auf eine Entfernung von 200 Schritte durchschlägt jedes Geschoss ein Brett von 25,4 mm.

Vergleichwerte zum vorherigen Revolvermodell liegen nicht vor. Die Leistungsverbesserung soll aber überzeugt haben, was bei den unterschiedlichen Kalibern .44 (10,90 – 11,25mm) zum Kaliber 7,62 mm leicht zu erreichen war.

Auch Nachteile gab es gegenüber dem alten Revolver. Da die Hülsen mit zur Abdichtung benutzt und durch das austretende Geschoss an die Laufwand gedrückt wurde, musste beim Entfernen der leer geschossenen Hülsen jede einzeln mit dem an der Waffe befindlichen Ausstosser an der rechten Laufseite ausgestoßen werden. Hierdurch wurde das Nachladen gegenüber dem alten Smith & Wesson Revolver erheblich verzögert. Der Smith & Wesson war ein Kipplaufrevolver, bei dem die Hülsen von selbst aus der Trommel fielen. Die Schussgeschwindigkeit bei 7 Patronen betrug 15-20 Sekunden, den Ladevorgang nicht inbegriffen. Es soll Offiziere gegeben haben, die vom russisch-japanischen Krieg bis zum ersten Weltkrieg den alten Smith&Wesson bevorzugten.

 

Technische Daten:

 

Kaliber 7,62 mm

Lauflänge 115 mm

Zahl der Züge 4

Zugrichtung Rechtsdrall

Gesamtlänge 235 mm

Gesamthöhe 132 mm

Trommeldurchmesser 40,50 mm

Trommelkammern 7

Gewicht leer 780 Gramm

Gewicht voll 855 Gramm

Visierung starr

Sicherung keine

Funktion Mannschaftsmodell single-action

Funktion Offiziersmodell double-action

Mündungsgeschwindigkeit Vo bis 300m/sek.

Länge der Patrone: 39,40 mm

Hülsendurchmesser: 8,3 / 9,0 mm

Durchmesser des Hülsenboden: 9,80 mm

Gewicht des Geschosses: 6 – 7 g

Pulverladung: 0,27 g Nitropulver

Sonstiges: Ring am Kolben für Fangriemen

 

Bestempelung

Wie alle Waffen, die im militärischen, polizeilichen oder einer sonstigen Behörde eingesetzt sind, hat auch der russische Armeerevolver Mod. 1895 einiges an Stempel und Markierungen zu bieten. Wenn man zuerst ein Modell aus belgischer Fabrikation betrachtet, kann man den Hersteller und Erfinder problemlos von der Waffe ablesen.

Die ersten Waffen aus der Lütticher Manufaktur sind auf der linken Rahmenseite gekennzeichnet mit „L. Nagant brevete´. Liege`“ darunter dann das Herstellungsjahr, dann die Waffennummer vorne links auf dem Rahmen, ebenso auf der Innenseite des Rahmens und auf der Trommelvorderseite zwischen den Patronenkammern. Den Beschussstempel findet man auf der rechten Laufseite, manchmal auch auf dem Rahmen. Ein „R“ mit Krone für die belgische Herstellung und ein „n“ im Kreis für die russische Abnahme in Tula. Der Stempel des Abnahmebeamten aus der Zeit des Zaren mit darüber liegenden zaristischen Adler findet man an der Rahmenseite oberhalb der Griffschale rechts. Alle Waffen mussten durch den Stempel von Tula, bestehend aus einem Hammer, versehen sein. Die Sowjets ersetzten den Hammer durch einen Stern. Das russische Zeichen „n“ findet man als Prüfzeichen auf den meisten Waffen. Es gibt aber auch immer wieder Revolverexemplare aus der russischen Fertigung, auf denen man abweichende, zusätzliche oder auch fehlende Zeichen feststellen kann. Der Ausstoß an Waffen in Tula war so gewaltig, dass einzelne Waffen nicht gestempelt wurden. Die Bedeutung von zusätzlichen Markierungen sind nicht bekannt.

Das erste Modell 1898

L.Nagant

Brevete

LIEGE

1898

Dieser Revolver aus der Sammlung des Verfassers stammt aus der letzten Lieferung nach Russland. Auf allen wesentlichen Waffenteilen befindet sich die belgische Abnahme. Auf der Waffe befindet sich keine russische Abnahme.

Lauf mit belgischer Abnahme und der ersten Kornvariante.

 

Das 2. Modell 1912

Hierbei handelt es sich um den ersten Revolver aus russischer Herstellung als Mannschaftsmodell mit SA–Abzug von 1912. Der Revolver wurde irgendwann blank poliert, so dass die noch vorhandene Beschriftung und Stempel nicht auf dem Foto zu sehen sind. Die Waffe trägt die Beschriftung der kaiserlichen Waffenfabrik von Tula, alle wesentlichen Waffenteile sind mit einem T im Kreis als Abnahmestempel versehen. An dieser Waffe findet man die 2. Kornvariante.

Letzte und wohl bekannteste Variante von 1938

Diese letzte Variante des Revolvers war während des zweiten Weltkrieges noch in großer Anzahl in Gebrauch bei Truppen, Milizen und sonstigen Verbänden, obwohl die offizielle Ordonanzwaffe seit 1930 die automatische Selbstladepistole Tokarev Mod. TT-30, ab 1933 TT-33 mit technischen Verbesserungen im Kaliber 7,62 Tokarev war.

Obwohl zahlreiche Waffen der Wehrmacht in die Hände fielen, wurden Nagant - Revolver bis auf Ausnahmen als Beutewaffen nicht in größeren Stückzahlen verwendet. Die Gründe dürften in der Munition und der umständlichen Handhabung beim Ladevorgang zu suchen sein. Der Revolver wurde als „Revolver 612 (r)“, die Munition als „2602 (r)“

fremdes Gerät beim Oberkommando des Heeres (Heereswaffenamt 1941) in den Kennblättern verzeichnet.

Bild links: Nagant der Variante 1938 im zugehörigen Holster mit geöffneter Abadie Klappe (© Foto Oleg Volk/Wiki Commons)

Bild rechts: Nagant Modell 1938 mit Holster und Fangschnur

Munition

Auf die Besonderheit der Patrone wurde bereits eingegangen. Hier soll neben den technischen Daten der Patrone die Besonderheit anhand der Zeichnung dargestellt werden.

Patronendaten: Messinghülse von 38,5 mm Länge, Bleigeschoß mit Mantel aus Neusilber, Gewicht zwischen 6,25 und 7,15g je nach Fertigung, Ladung 0,27g Nitropulver, Gesamtgewicht der Patrone ca. 12,8 g.

Patronen wurden außer in Russland auch in Polen, Deutschland, Österreich und Italien hergestellt. Die in Deutschland, Österreich und Italien hergestellten Patronen unterscheiden sich gegenüber der russischen Produktion durch eine am Hülsenmund stark eingezogene Hülse.

Anmerkung

Diese Ausarbeitung über den russischen Armeerevolver Mod. 1895 befasst sich mit den eingeführten Standartmodellen. Über Sondermodelle und seltenere Revolvervarianten könnte eine weitere umfangreichere Arbeit geschrieben werden. Keineswegs wird mit diesem Artikel der Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Es muss nach der riesigen Anzahl gebauter Revolver unter den verschiedensten politischen Machthabern und Einflüssen vielmehr davon ausgegangen werden, dass noch nicht alle Fertigungen und Sondermodelle bekannt sind.

 

Literatur

Waffenrevue Nr. 35 IV. Quartal 1979 E. Brunnthaler

Der Nagant von Gerard Gorokhoff

Revolver und Pistolen A.B. Zhuk + B. Bruckner

Militärische Handfeuerwaffen, Graham Smith

Handbuch der Pistolen- und Revolverpatronen, J.H. Brandt

Kennblätter fremden Geräts, Nachdruck von Klemens W. Künneke

Internetwebseite: Pentagon-Bunker/PersCollection/M1895page